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            LARS BJERRE         
                      
  BLEED THE SILENCE
 

Vernissage: 
10.09.2010  19 Uhr

Ausstellung: 11.09.2010-15.10.2010 
 


“[...] We wanted to bleed the silence, shake off the exile of conversation [...]”
(Excerpt from the poem Complaint by Jules Laforgue, 1885)
 
Die melancholische- und zugleich ironische Lyrik des Jules Laforgue (1860-1887) inspiriert
den dänischen Künstler Lars Bjerre (*1975) rein zufällig und doch ebenso sehr, wie sie es
schon in den siebziger Jahren bei Patrik Caulfield tat. Nach einem Vers des Gedichts Les
Complaintes benennt Bjerre die Ausstellung „Bleed the silence“ und spielt damit betont auf
viszerale Gewalt an. Wider Erwarten offenbart sich diese Brutalität aber nicht auf der
Oberfläche der Gemälde-, sondern im Inneren der portraitierten Charaktere und deren
versteckten (alten und vergessenen) Erinnerungen und Ängsten.
 Bjerre stellt das riesige, grob gemalte Portrait einer alten Frau, die ihren Kopf bewegt;
zwei Bilder von junge Männern, die sich mit abgeschnittenen Tierköpfen bedecken; und zwei
Triptychen, die Portraits einer verwirrten Dame neben farbenfrohen Ballons und einem
wütenden Mann im Dialog mit einer Schultafel zeigen, nebeneinander.
 Was also vereint diese Figuren, die so unterschiedlich erscheinen? Sie alle stehen der
(verlorenen) Zeit und der Determinierung ihrer Identität mit Ohnmacht gegenüber – aus
Angst vor der Gegenwart und der verdrängten Vergangenheit, die sie längst überholt hat.
Mit narrativen Bildern und theatralischen, sowie melancholischen Szenen enthüllt Bjerre die
Nostalgie und die Existenzangst seiner Charaktere. Als Beispiel dramatisiert das Gemälde
„The exclusive Club of forgotten memories“ die Vergänglichkeit mit einem ironischen
Unterton: die kindliche Albernheit der kunterbunten Ballons entblößt die innere Einsamkeit
und Isolation der senilen Frau. Ebenso ist auch der alte Mann mit Symbolen der Jugend
konfrontiert – einer Schultafel, deren kritzelartige Kreidezeichnung einen sich-bewegenden
Totenkopf darstellt, der sich zu seinem eigenen Portrait vervollständigt. Gefangen in der
Konversation mit sich selbst, sehen einige von Bjerres verstörten Protagonisten nur noch den
Ausweg sich unter Tierköpfen zu verstecken, um die Stille endlich auszubluten. 
 
  
                                                                                                            Anna-Lena Werner



Für weitere Informationen, Interviewanfragen und Bildmaterial wenden Sie sich bitte an Vivienne Micallef:
vivienne.micallef@torstrasse161.de



                                                                                                                          
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